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Ein Hausdülmener Indiaca-Märchen

-Ähnlichkeiten mit lebenden und anwesenden Personen sind durchaus beabsichtigt-

Es waren einmal sechs junge Mädchen in Hausdülmen, die hatten ein merkwürdiges Hobby. Während andere in dem Alter nach der Schule von der Schule die Nase voll hatten und sich schnell von diesem für sie ungastlichen Ort entfernten, kamen diese Mädchen am Abend freiwillig noch einmal zurück und gingen gemeinsam in die Sporthalle der Schule.

Dort spannten sie ein Netz zwischen zwei Pfosten, steckten Federn in einen Lederbeutel und schlugen dieses Ding immer wieder über das Netz – hin und zurück. Sie hatten gehört, dass diese Sportart Indiaca heißt und sie spielten mit wachsender Begeisterung. Dieses ständige Hin und Her machte ihr Spielgerät jedoch nicht lange mit; die Federn lösten sich auf und das Säckchen torkelte mehr, als dass es flog.

Ines Böinghoff, eines der Mädchen, hatte eine Idee. „Ich weiß, wo wir stabile Federn herbekommen. Bei uns auf dem Bach, direkt neben dem Eingang zur Gaststätte, schwimmt immer eine wunderschöne Ente. Die muss für uns ein paar Federn lassen.“

Gesagt-getan, kurz darauf standen sie bei Böinghoff am Bachufer und versuchten, die Ente zu fassen. Doch vergeblich. „Wir sind zu wenige, vielleicht sollte ich meine Geschwister holen, dann wird es bestimmt reichen“, meinte Joy Paschert. Doch noch bevor die anderen antworten konnten, begann plötzlich die Ente zu reden: „Nun passt aber mal auf, ihr Hühner, ich bin nämlich keine normale Ente, ich bin das Hausdülmener Pieleken und meine Federn könnt ihr nur bekommen, wenn ich sie Euch freiwillig gebe, zwingen lässt sich ein Hausdülmener nämlich grundsätzlich zu gar nichts. Was wollt ihr überhaupt damit?“

Nachdem sich bei den Mädchen der Schock über eine sprechende Ente gelegt hatte, begannen sie von ihrem Hobby zu erzählen. „Ich mache unter einer Bedingung mit“, sagte das Pieleken, nachdem es verstanden hatte, in welcher Notlage die Sechs sich befanden. „Ich gebe Euch die Federn, die Ihr braucht, doch als Gegenleistung müsst Ihr für mich einen Meistertitel nach Hausdülmen holen. Glaubt mir, das ist ne tolle Geschichte und vielleicht bekommt ihr sogar die Sportplakette der Stadt Dülmen und der Bürgermeister gibt euch die Hand, stellt Euch das mal vor!“ Verdutzt sahen sich die Mädels gegenseitig an, Indiaca spielen – na klar, aber es bis zu einem Meistertitel schaffen? „Natürlich braucht ihr ein gutes Trainergespann, allein werdet Ihr es nicht schaffen! Wir sehen uns also demnächst wieder und dann möchte ich, dass ganz Indiaca-Deutschland weiß, wo Hausdülmen liegt. Und grüßt mir den Sportverein Grün-Weiß!“ Ein Windstoß blies einige schöne Federn herüber und Pieleken schwamm in Richtung Neusträsser Bruch davon.

„Puh, wie sollen wir das denn schaffen, ich spiele doch Indiaca, weil es mir Spaß macht, aber Meister werden, das artet doch in Arbeit aus. Und überhaupt, wer soll uns denn trainieren?“ Alexandra Terhorst wirkte recht verzweifelt.

Nebenan in der Gaststätte Böinghoff ging es hoch her. „Was ist den bei uns los?“ Ines glaubte ihren Augen nicht zu trauen. „Hey, dort sitzen Alwine Alfs und Lisa Scheipers, die Indiaca-Weltmeisterinnen von Grün-Weiß. Die geben heute ihre wöchentliche Autogrammstunde. Kommt, wir stellen uns hinten an die Schlange an, holen uns Autogrammkarten und fragen, ob die Beiden nicht ein paar Tipps für uns haben. Knappe 90 Minuten später hatten sie den Tisch mit den Weltmeisterinnen endlich erreicht, ihre Autogramme bekommen und wollten gerade fragen, wie man am besten einen Abwehrblock am Netz platziert, als Alwine Alfs plötzlich große Augen bekam. „Wo hast Du denn diese Federn her?“ stammelte sie fragend und zeigte mit zitternden Händen auf Anna Nosthoff, die noch immer die Pieleken-Federn in den Händen hielt. „Das  sind doch echte Pieleken-Federn, damit Indiaca zu spielen steht doch nur echten Talenten zu. Als wir damals anfingen waren unsere Federn immer die Billigen von Baumann Sport. Die Mädchen erzählten, was geschehen war und verschwiegen auch nicht, wie dringend sie ein Trainergespann suchten. „Alwine, dass machen wir“ entschied Lisa Scheipers und lies Alwine keine Chance, auch nur ansatzweise anders zu denken. „Trägerinnen von Pieleken-Federn haben eine große Zukunft vor sich und die brauchen unsere Unterstützung“.

Und so geschah es, mit den einzigartigen Federn wurde eine Indiaca gebaut, und mit Hilfe der erfahrenen Trainerinnen funktionierte das Training wie von selbst und war nie kam Langeweile auf. 

Blocken, Stellen, Schmettern, klappte irgendwann wie im Schlaf, die einstudierten Spielzüge liefen in blindem Verständnis ab und in den Spielerinnen wuchs ein unbändiger Siegeswille. Und plötzlich spürten sie es: aus ihnen war eine echte Indiaca-Mannschaft geworden!

Und nicht nur das, diese Mannschaft war auch eine starke Mannschaft und schaffte prompt die Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft.

„Warum ist es bis Bietigheim eigentlich so weit?“ fragte Christin Bontrup. „Am liebsten hätte ich ja ein Heimspiel. Deutsche Meisterschaften in Dülmen sind doch immer so erfolgreich und machen Dülmen in ganz Deutschland bekannt. Wie schön wäre es doch, wenn die Stadt den Verein so unterstützen könnte, dass die Meisterschaft mal wieder hier stattfinden kann“.

Aber die Geschichte spielt ja schließlich im Jahr 2004 und so machte sich die Indiaca-Abteilung des Sportvereins Grün-Weiß Hausdülmen, die unsere sechs Heldinnen natürlich sofort in ihre Gemeinschaft integriert hatte, auf den langen Weg zur Teilnahme am großen Turnier. Mit im Gepäck war natürlich die Indiaca mit den Pieleken-Federn, zwar war diese für Turniere nicht zugelassen, aber allein zu wissen, dass sie dabei war, machte die Sechs schon stark und selbstbewusst.

Dort angekommen, stellte sich heraus, dass die Turniergruppe, in der unser Team spielen musste, reichlich mit starken Mannschaften bestückt war. Doch die Mädchen waren guter Dinge und ihr Optimismus ungebrochen. „Who the fuck is ATV-Haltern?” und ähnliche Highlights von Antje Michaelis machten die Runde und verbannten jeglichen Pessimismus.

Und so kam es, wie es kommen sollte. Unsere Sechs wurden vor der Mannschaft von Malterdingen („Who the fuck is Malterdingen“) Sieger ihrer Gruppe und damit Deutscher Indiaca-Meister 2004 der Altersgruppe 11-14!

Einige Tage später; der Kater von dem Erfolgsrausch verflog langsam und sie merkten, dass sie wieder zu Hause waren. Gemeinsam machten sie einen Spaziergang auf dem Kettbachseitenweg und näherten sich der Stelle, wo alles begonnen hatte. Und, wie kann es in einem Märchen anders sein, wartete dort bereits das Pieleken auf sie.

Überglücklich erzählten von ihrem Erfolg und bedankten sich überschwänglich für die Federn, ohne die sie doch nichts, aber auch gar nichts geschafft hätten. „Völliger Quatsch“, sagte das Pieleken, „ihr habt gewonnen, weil ihr selbst daran geglaubt habt, dass euch keiner besiegen kann, weil ihr euch als Mannschaft präsentiert habt und weil eure Trainer euer Talent in die passende Richtung geformt haben. Die Federn waren doch nur der Auslöser des Ganzen. Wie ein Wecker, der bei euch die Indiaca-Lebensgeister geweckt hat, die in euch geschlummert haben. Der Rest ist dann fast von ganz allein geschehen. Ich habe die Federn eigentlich nur verloren, weil ich gerade in der Mauser war und ein paar von den Dingern eh loswerden musste.“

Damit drehte sich Pieleken im Wasser und paddelte, leise vor sich hin schnatternd, wieder einmal in Richtung Neusträsser Bruch davon. Kurz vor der Brücke an der Halterner Straße dreht es sich noch einmal um. „Übrigens, bevor ich es vergesse, das habt ihr verdammt gut gemacht!“

Und so endet das Hausdülmener Indiaca-Märchen. Und weil Gott sei Dank keiner gestorben ist, hat ihnen der Bürgermeister auch die Hand gegeben und ihnen die Stadtsportplakette verliehen!


Gerhard Schmidt

Vorsitzender SV Grün-Weiß Hausdülmen

 

 

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